MTZ®-Award for Medical Systems Biology - mit dem BMBF auf dem Weg zur individualisierten Medizin/Systemmedizin

Persönliches Grußwort von Frau Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek vom 14.Juni 2018

"Viele medizinische Erkenntnisse kommen durch Zufall und Beobachtungen zustande. Zum Beispiel, wenn dem Arzt bestimmte Krankheitsphänomene an verschiedenen Patienten auffallen und plötzlich Zusammenhänge klar werden, die man vorher nicht wahrnahm. Dieses Wissen und die Erkenntnisse, die sich individuell und über einen langen Zeitraum über Fachmedien verbreiteten, werden heute nicht nur schneller, sondern auch zunehmend effizienter gewonnen und auf eine breitere Basis gestellt.
Die Digitalisierung ermöglicht es, immer größere Datenmengen der biomedizinischen Forschung zu sammeln und auszuwerten. Sie bergen ungeheures Potenzial und sind ein Schlüssel, um das komplexe Zusammenspiel von individuellen genetischen und physiologischen Eigenschaften, Lebensgewohnheiten und Umwelteinflüssen bei der Entstehung von Krankheiten zu verstehen.
Diese Chancen, die sich durch die technologischen Fortschritte im Gesundheitsbereich ergeben, wollen wir für den einzelnen Menschen nutzbar machen. Durch unsere Medizininformatikinitiative schaffen wir die Voraussetzungen, damit unterschiedliche Institutionen die Daten aus Forschung und Gesundheitsversorgung nutzen können. Das ist Forschung für den Menschen: Sie soll am Krankenbett zu spürbaren Verbesserungen für die Patientinnen und Patienten führen. Gleichzeitig soll auch die medizinische Forschung von einer besseren Daten- und Wissensbasis profitieren.
Um aus den erhobenen Daten neues Wissen zu generieren, bedarf es eines interdisziplinären und ganzheitlichen Forschungsansatzes. Den hat die Systemmedizin: Durch Zusammenführung von Biologie, Medizin, Physik, Mathematik und Informatik werden die Grundlagen für eine verbesserte Diagnostik, Therapie und Prävention von Krankheiten geschaffen.
Aus diesem Grund habe ich sehr gerne die Schirmherrschaft über die siebte Konferenz „Systems Biology of Mammalian Cells“ übernommen: Hier steht das Potential der Systemmedizin im Fokus. Ganz besonders freut mich dabei, dass unter meiner Schirmherrschaft im Rahmen der Konferenz drei herausragende Doktorarbeiten mit dem MTZ-Award for Medical Systems Biology 2018 ausgezeichnet werden. Denn die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses liegt mir besonders am Herzen. ..."

Bildnachweis: Bundesregierung / Guido Bergmann (am Bild)

Der MTZ®-Award for Medical Systems Biology ist der Nationale Nachwuchs-Förderpreis für herausragende Dissertationsarbeiten junger Nachwuchswissenschaftler/-innen auf dem Gebiet der medizinisch orientierten Systembiologie, den die MTZstiftung in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Projektträger Jülich (PtJ) auslobt und alle zwei Jahre auf einer internationalen Konferenz, voraussichtlich auf der Conference on Systems Biology of Mammalian Cells (SBMC) vergeben wird.
Mit diesem innovativen Forschungsansatz werden komplexe, miteinander vernetzte biologische Phänomene in Zellen, Geweben und Organismen enträtselt und in realitätsnahe Computermodelle übertragen. Dabei wird die Systembiologie als wichtige Grundlage für eine Medizin erkannt, die immer mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten eingehen kann. Diese Ausrichtung hin zu einer individualisierten Medizin findet auch zukünftig in den Förderungen des BMBF immer mehr Berücksichtigung.
Ausgezeichnet werden die besten drei Dissertationen. Während der Fachkonferenz präsentieren die drei Preisträger/innen ihren Forschungsansatz dem breiten internationalen Fachpublikum .
Erstmals wurde der Preis auf der SBMC 2008 am 23.05.2008 im Kulturpalast Dresden verliehen. Es war die erste Preisverleihung eines Nationalen Nachwuchs-Förderpreises auf dem Gebiet der medizinisch orientierten Systembiologie in Europa.


Berücksichtigt werden ausschließlich Promotionsarbeiten, die im Rahmen von Fördermaßnahmen des BMBF auf dem Gebiet der Systembiologie entstanden sind. Hintergrund ist die Hightech-Strategie, bei der öffentliche Fördergelder in Spitzentechnologien und technologieübergreifende Querschnittsmaßnahmen fließen. Ziel der Hightech-Strategie ist die stärkere Vernetzung von Wissenschaft und Forschung mit der Wirtschaft.

Es soll nicht nur geforscht werden, die Innovationen müssen auch verstärkt als Produkte, Dienstleistungen und Verfahren auf den Markt kommen.

Vom BMBF genutzte Förderinstrumente zur Etablierung der Systembiologie in Deutschland. Dargestellt ist das bereitgestellte Finanzvolumen und in Klammern die Anzahl der geförderten Projekte pro Förderinstrument Stand Dezember 2016.


(Quelle: Projektträger Jülich)

Geben Sie in der Eingabemaske im Suchfeld *Systembiologie* ein:

Sie erhalten einen Einblick in aktuelle Fördermaßnahmen des BMBF zur medizinischen Systembiologie.

Weitere Informationen zur medizinisch orientierten Systembiologie finden Sie unter "Definition Systembiologie" und "systembiologie.de" .

■ Sämtliche Förderinitiativen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Forschungsnetzwerk des innovativen Forschungsgebiets der Systembiologie in Deutschland werden unter www.systembiologie.de zusammengefasst.

■ BMBF Broschüre "Systembiologie - Die Netzwerke des Lebens verstehen" erschienen im April 2016

■ BMBF Broschüre "Systemmedizin: Neue Chancen in Forschung, Diagnose und Therapie" erschienen im November 2015
■ BMBF Broschüre "e:Med Maßnahmen zur Etablierung der Systemmedizin" erschienen im August 2015

Alternativen zum Tierversuch
Die vom BMBF geförderten Vorhaben fußen dabei auf dem "3R"-Konzept. Vorrangiges Ziel dieses Konzeptes ist es, Tierversuche durch alternative Methoden zu ersetzen (Replacement, Ersatz). Wenn dies nicht möglich ist, soll die Zahl der benötigten Tiere zumindest auf ein Minimum beschränkt werden (Reduction, Verringerung). Zudem geht es darum, das Leiden der eingesetzten Tiere zu verringern und aus dem einzelnen Tierversuch so viele Informationen wie möglich zu gewinnen (Refinement, Verfeinerung).

■ BMBF Broschüre "Alternativmethoden zum Tierversuch " erschienen im April 2016

 

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Urkunde zum MTZ-Award for Medical Systems Biology 2014