Der MTZ®-Award for Systems Medicine 2026 fördert das Thema: "Die Systembiologie als d i e wesentliche Grundlagenforschung für eine (System) Medizin, die KI gestützt in der klinischen Anwendung eine individuell abgestimmte Krankheitsbekämpfung erlaubt"
Der MTZ®-Award for Systems Medicine reiht sich in die erfolgreiche Serie des MTZ Award for Medical Systems Biology ein, der erstmals auf der SBMC 2008 am 23.05.2008 im Kulturpalast Dresden verliehen wurde. Es war die erste Preisverleihung eines Nationalen Nachwuchs-Förderpreises auf dem Gebiet der medizinisch orientierten Systembiologie in Europa. Der Preis ist seit 2008 - und unter dem neuen Namen seit 2022 - an 29 exzellente Preisträgerinnen und Preisträger vergeben worden.
Der MTZ®-Award for Systems Medicine ist nunmehr der Nationale Nachwuchs-Förderpreis für herausragende Dissertationsarbeiten junger Nachwuchswissenschaftler/-innen auf dem Gebiet der systemorientierten Gesundheitsforschung, den die MTZstiftung in enger fachlicher Zusammenarbeit mit dem Bundesforschungsministerium und dem Projektträger Jülich (PtJ) alle zwei Jahre auslobt.

„Mit ihrem Engagement unterstützt die MTZ-Stiftung seit vielen Jahren herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im interdisziplinären Bereich der Systembiologie und der Systemmedizin. Ich übernehme gerne die Schirmherrschaft für den MTZ®-Award for Systems Medicine 2026.“
Zitat von Frau Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt Dorothee Bär vom 08.Oktober 2025
(Bildnachweis: Bundesregierung / Steffen Kugler)
Die Systembiologie, mittels der komplexe, miteinander vernetzte biologische Phänomene in Zellen, Geweben und Organismen enträtselt und in realitätsnahe Computermodelle übertragen werden, bleibt als Grundlagenforschung immens wichtig für eine zukünftige Systemmedizin. Es geht um die Frage, wie komplexe biologische Systeme mit ihrer Vernetzung von Teilprozessen funktionieren können. Nur so können die Regulation und Kontrolle biologischer Systeme, deren Steuerbarkeit und Systemverhalten verstanden und weiter enträtselt werden. Mediziner, Biologen, Bioinformatiker und Naturwissenschaftler weiterer Fachrichtungen arbeiten interdisziplinär zusammen. Die gewonnenen Modelle erlauben es, Strategien und weitergehende Hypothesen experimentell direkt zu simulieren. Diese Simulationen ersetzen immer öfter langwierige Experimente mit Zellgeweben im Labor (auch Tierversuche) und tragen zu schnelleren und effektiveren Forschungsergebnissen bei – d i e neue Dimension der lebenswissenschaftlichen Grundlagenforschung.
So verbreitert sich das Wissen über die Funktionen von komplexen biologischen Systemen und versetzt die Wissenschaft zunehmend in die Lage, Fehlfunktionen - sehr detailliert - als Ursache für die Entstehung von schweren Krankheiten auszumachen. Der Systembiologie ist es zu verdanken, die Tumorbiologie mit den für jeden Tumor typischen proteomischen* und morphologischen* Merkmalen zu verstehen, ein weiterhin laufender dynamischer Erkenntnisgewinn. Gleiches gilt auch für die systembiologische Erforschung des jeweiligen Genotyps* bei Diabeteserkrankungen. Ergebnis der letzten Jahre ist die Fokussierung auf die Entwicklung von Tumor-und Biomarker, die zur Diagnose im gegenwärtigen klinischen Alltag eingesetzt werden. Diese sind therapierelevant und somit auch Grundlage für die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen.
Genotyp*:
proteomisch* Gesamtheit aller Proteine(Eiweiße)
morphologisch* Zellstruktur in der medizinischen Bildgebung, mittlerweile umgesetzt in multiplex hochauflösenden Fluoreszenzbildern (auch 3D)
Medizinische Spitzenforschung der absoluten Weltklasse wie die Systembiologie und die mathematische Modellierung biologischer Systeme führen zu einem laufenden dynamischen Erkenntnisgewinn und schon heute zu großen Datenmengen – „Big Data in der Medizin". Eine Medizin der Zukunft ist ohne Künstliche Intelligenz nicht denkbar. Intelligente Algorithmen leisten einen entscheidenden Beitrag, biologische Systeme mit klinischen digitalisierten Patientendaten zu verbinden. Die Systembiologie wird dabei immer mehr als d i e wesentliche Grundlagenforschung und somit Brücke für eine (System) Medizin erkannt, die KI gestützt in der klinischen Anwendung in sogenannten Use Cases eine individuell abgestimmte Krankheitsbekämpfung erlaubt. In der Wissenschaft ist die Systembiologie und ihre Bedeutung als translationaler Forschungsansatz nicht mehr wegzudenken.
Erste entsprechende Algorithmen werden im Klinikalltag als Use Case schon gegenwärtig erprobt und ermöglichen zukünftig spezifisch für jeden Menschen und zur richtigen Zeit maßgeschneiderte Diagnosemöglichkeiten, Behandlungsstrategien oder Präventionsansätze. Deep Learning, d.h. maschinelles Lernen in der Medizin, beispielsweise in der Krebsbehandlung deutscher Universitätskliniken: die KI erlernt den systembiologischen Genotyp* (siehe o.a. molekulare Informationen und medizinische Bildgebung) eines Tumors und in einem zweiten Schritt dessen Veränderung an Hand von den Behandlungsdaten vieler Patientinnen und Patienten. Dies ermöglicht zunächst eine verifizierte individuelle Diagnose und im weiteren Krankheitsverlauf eine präzise Behandlung unter Berücksichtigung des individuellen Krankheitsstadiums. Gerade im Hinblick auf viele unerwünschte Nebenwirkungen von Krebstherapien führt eine derartige Behandlungsoptimierung zu einer gesteigerten Lebensqualität.
Die Use Cases mit ihren Tumor-/ Biomarker (Signaturen) werden fortwährend validiert. Neue systembiologische Forschungsvorhaben zu ihrer innovativen Weiterentwicklung werden initiiert.
Dies und weitere Beispiele erleben Sie im MTZ-TV. Die Systemmedizin ist neuen Herausforderungen gewachsen, hin zu einer immer mehr auf den Patienten maßgeschneiderten/personalisierte Therapie – das ist unsere Vision von der Medizin der Z u k u n f t.
Der Brückenschlag von der medizinischen Systembiologie als Grundlagenforschung hin zu einer KI gestützten Systemmedizin mit ihren typisch translationalen Use Cases– diesen spannenden Weg beschreiten wir in 2026 und in den nächsten Jahren mit unserem langjährigen starken Partner, dem Bundesforschungsministerium. Das gehört zum Wesen und davon zeugt der nationale MTZ®- Award for Systems Medicine (vormals MTZ®- Award for Medical Systems Biology). Ausgezeichnet werden die besten drei Dissertationen, zuletzt im Mai 2026 auf der internationalen Konferenz SBMC im Barockschloss Mannheim. Während der Fachkonferenz präsentieren die drei Preisträger/innen ihren Forschungsansatz dem breiten internationalen Fachpublikum.
Geehrt wird die junge wissenschaftliche Exzellenz, die mit Neugierde und jugendlichem Elan dem zuweilen steinigen beruflichen Weg des Forschers/der Forscherin trotzt und mit ihrer Promotion zu einer späteren Translation mittels interdisziplinärer Arbeitsweise beiträgt. Auf diese Weise entstehen zum einen neue Use Cases für den klinischen Alltag. Es erhöht sich aber vor allem die Effektivität bestehender Use Cases durch eine innovative wertschöpfende Ergänzung/Weiterentwicklung des bereits vorhandenen Datenbestandes. Die Erkenntnisse aus den Promotionsarbeiten kommen der gesamten vom BMFTR geförderten Forschungscommunity auf dem Gebiet der Systembiologie/Systemmedizin zugute.
Hintergrund ist die Hightech Agenda Deutschland des BMFTR, bei der öffentliche Fördergelder in Spitzentechnologien und technologieübergreifende Querschnittsmaßnahmen fließen. Ziel der Hightech Agenda Deutschland ist die stärkere Vernetzung von Wissenschaft und Forschung mit der Wirtschaft. Es soll nicht nur geforscht werden, die Innovationen müssen auch verstärkt als Produkte, Dienstleistungen und Verfahren auf den Markt kommen.
Erleben Sie in den letzten Contentboxes herausragende Fälle der angewandten Medizinischen Systembiologie - u.a. auch Kooperation von MTZ-Awardees mit Unternehmen.
So hat Herr Prof. Dr.-Ing. Niels Grabe als wissenschaftlicher Leiter des Hamamatsu TISSUE IMAGING AND ANALYSIS CENTER den Episim Cell Modeller zur Modellierung von Zellstrukturen der Epidermis entwickelt.